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POLLICHIA-Buch Nr. 46, 2005
Mit 15 Farbabbildungen und über 600 Verbreitunskarten auf 1219 Seiten
Die Erforschung der Moosflora der Pfalz hat eine lange Tradition. Erste Nachweise von Moosen aus der Pfalz gehen auf J. A. POLLICH, dem Namensgeber unseres Vereins, und das Jahr 1777 zurück. POLLICH nennt in seinem berühmten Werk „Historia plantarum in palatinatu electorali sponte nascentium“ immerhin schon 25 Lebermoose und 86 Laubmoose. In den folgenden Jahrhunderten haben mehrere Botaniker die Moosflora der Pfalz erforscht. Stellvertretend seien Philipp BRUCH (1781-1847) und Theodor GÜMBEL (1812-1858) genannt. Alleine BRUCH bereicherte die Pfälzer Moosflora um 168 Laubmoose und ein Lebermoos. GÜMBEL veröffentlichte 1857 in den Jahresberichten der POLLICHIA einen Artikel über die „Moosflora der Rheinpfalz“. Wir finden darin auch für die heutige Zeit viele interessante Informationen, die uns im Vergleich mit heutigen Gegebenheiten den Wandel der Landschaft und der damit einhergehenden Veränderung der Moosflora in der Pfalz aufzeigen. Die Bryologie und die POLLICHIA sind auch in der Folgezeit eng miteinander verbunden geblieben. Einige allseits bekannte POLLICHIAner wie Eugen MÜLLER (1880-1955) und Karl BÄßLER (1895-1964) haben im 20. Jh. die Erforschung der Moosflora der Pfalz vorangebracht. Es überrascht daher auch nicht, dass wir bis in die heutige Zeit bedeutende Bryologen in unseren Reihen haben.
Unter ihnen sticht Hermann LAUER besonders hervor. Seit 1959 beschäftigt er sich mit den Moosen im Vereinsgebiet. Er hat nicht nur eine Vielzahl bedeutender Funde, darunter Erstnachweise für Rheinland-Pfalz und Deutschland gemacht, sondern auch unsere wertvollen Herbarien im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim durchgesehen und die Moosfunde früherer Sammler revidiert. Seine über fast fünf Jahrzehnte reichende Erfahrung auf dem Gebiet der Bryologie hat er sein Werk „Die Moose der Pfalz“ (POLLICHIA-Buch Nr. 46) einfließen lassen.
LAUERs imposante Arbeit umfasst 1219 Seiten. Alle in der Pfalz bisher nachgewiesenen 677 Moossippen (654 Arten und 23 intraspezifische Taxa) werden darin vorgestellt. Zu jeder Art gibt es Angaben zum bevorzugten Biotop, zu den Wuchsortbedingungen
(z.B. zu Substrat und Klima), zur Vergesellschaftung mit anderen Moosen (Soziologie), zur allgemeinen Verbreitung der Arten und natürlich zu ihrer Verbreitung in der Pfalz. Letztere ist in dem Buch für die meisten Moose detailliert mit Fundortangeben (Messtischblatt- und Quadrantenangaben) sowie in Verbreitungskarten dokumentiert. Die Verbreitungskarten geben dabei sowohl aktuelle als auch historische Fundangaben wider. Schließlich geht der Autor bei jeder Art ausführlich auf deren Gefährdung ein. Mit den heute üblichen Gefährdungseinstufungen beschreibt LAUER die Gefährdung der Moose in der Pfalz und liefert uns damit eine aktuelle Rote Liste. Übrigens beschäftigt sich LAUER auch in einem Kapitel mit der Geschichte der Moosforschung. Daraus wurden die Informationen zu den oben beispielhaft genannten Bryologen entnommen. Das Titelbild des neuen POLLICHIA-Buches ziert das Federmoos (Ptilium crista-castrensis), das auch auf der Titelseite des vorliegenden POLLICHIA-Kuriers abgebildet ist. Das Foto stammt von Peter Wolff, dem allseits bekannten Botaniker, der ebenfalls versierter Bryologe ist und der genauso wie viele andere Botaniker viele Fundangaben beigetragen hat. Über Ptilium cristacastrensis erfahren wir aus dem neuen POLLICHIA-Buch, dass POLLICH 1777 dieses heute extrem seltene Moos erstmals für die Pfalz nannte. Hinsichtlich seines bevorzugten Lebensraumes nennt LAUER lichte Waldstandorte, wo es auf frischem bis feuchtem Rohhumus wächst. Heute extrem selten, wurde das Federmoos seit 1959 nur noch je ein Mal im Pfälzerwald und im Nordpfälzer Bergland sowie drei Mal in der Saarländisch-Pfälzischen Moorniederung kartiert. Vergleicht man die aktuellen Fundangaben mit den historischen, stellt man fest, dass Ptilium crista-castrensis früher einmal viel häufiger gewesen sein muss. LAUER nennt als eine wesentliche Ursache für den Rückgang dieser besonders ansehnlichen Moosart den Klimawandel (Erwärmung). Gegenwärtig ist Ptilium crista-castrensis in der Pfalz vom Aussterben bedroht! Die Verbreitungskarte zeigt folglich mehr inzwischen erloschene als rezente Vorkommen. Viele weitere interessante Informationen zu den die bisher in der Pfalz nachgewiesenen Arten erwarten den Leser des neuen POLLICHIA-Buches. Welche Moose sind durch den Wandel der Kulturlandschaft selten geworden, welche haben dagegen in den letzten Jahren eine weitere Ausbreitung erfahren? Wie verhält es sich mit Neophyten in der Moosflora der Pfalz? Sind die wärmeliebenden Arten im Vormarsch? Über diese Fragen und vieles mehr kann man beim Studium des neuen POLLICHIABuches etwas erfahren. Zur Florenveränderung hat Lauer übrigens einige interessante statistische Auswertungen durchgeführt, die auf mehr als 15.000 Messtischblatt-Artangaben beruhen.
Zweifellos erfährt die Bryologie in Rheinland-Pfalz mit LAUERs Werk einen vorläufigen Höhepunkt. Bleibt zu wünschen, dass damit weitere Botaniker motiviert werden, sich intensiv mit den Moosen in der Pfalz zu beschäftigen. „Die Moosflora der Pfalz“ sei jedem Botaniker, der sich mit der Flora der Pfalz befasst, empfohlen.
Für POLLICHIA-Mitglieder kostet das Buch 40 €, für Nichtmitglieder 60 €.
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